Archiv für Dezember 2011

Wutbürger? Stresstest? Deutschland Du alte Scheisse!

Wutbürger! Anno 2010 zum Wort des Jahres gewählt. Immer diese Wut! Worauf denn nur? Rassistische Morde? National Befreite Dumpf- und Stumpfzonen vom Ballermann abwärts? Tägliche Abschiebungen zurück ins Elend? Die als Hartz IV getarnte spätrömische Dekadenz? Kinderarbeit? Clevere Kleidung vom KiK? Am Ende gar die miesen Lebensverhältnisse derer die unseren ganzen Scheiss in der anderen Welt- Welt Nummero 2 bis 3- zusammenschrauben müssen? Die Nummer zwo im Ranking der Jahreswörtchen 2010 ist ein schöner Aufhänger und gibt die ernüchternde Antwort: Stuttgart 21. Großer Bahnhof für engagierte Deutsche. Massenproteste und Rettung der Bäume. Es spräche ja eigentlich nichts dagegen wegen 19 Minuten Zeitersparnis von Stuttgart nach Ulm nach Prioritäten zu fragen. Zu´Protestieren. Am Ende gar aufs Ganze schließen zu wollen. Protest in sowas wie Kritik münden zu lassen… Obwohl: Kleinbisschen Unterirdisch scheint auch sie – Die Kritik. Angesichts der Verhätnisse und der Verhältnismäßigkeit. Ein Bahnhof in einer mittleren Metropolregion. Mehr nicht. Klar scheisse das. Trotzdem: Deswegen Wut? Tief blicken lassen die verpassten Chancen zur Empörung der sonst so anständigen Massen. Im Gedächtnis hängengeblieben und meine Symbolfigur für den Charakter der Mehrheit dieser Proteste: Schlichterfürst Heiner -wollt ihr den totalen Krieg- Geisler. (Falls zu Hand jetzt bitte Jan Delay näseln lassen „Ihr wählt immer das Falsche – wenn ihr die Wahl habt..“und bei Youtube Wahlfeiern der grünen Partei flimmern lassen da gibts bestimmt nen channel!!!)

Gleich noch einen drauf da: Mein Vorschlag für die Ländle Version des neusten Schmonz am Weltenrettermarkt: Occupy Schlossgarten. Auch noch gegen die Banken anstinken. Kirchentag und/oder Public Viewing zu EM 2012 und Bischhöfin Käßmann moderiert die Wetten Dass…? Aussenwette. Irgendwas passendes zum Wort des Jahres 2011: Stresstest. Vielleicht für diese Käfer in den Bäumen. Attac Kasperle Geisler hier gleich nochmal: „Der Schlichter von „Stuttgart 21″, Heiner Geißler, lobte die Wahl des Begriffs. „Ein ‚Stresstest‘ ist Teil der notwendigen Information, um zu mehr Bürgerbeteiligung bei großen Projekten zu kommen“, sagte der frühere CDU-Generalsekretär der Nachrichtenagentur dpa„(Quelle Tagesschau.de).
Ich möchte jetzt die Kurve kriegen! Daher das Resume meines Halbwissens fürs Erste: Tatsächlich weit und breit nichts als der übliche Kreisverkehr. Am 27.12. wäre der 110. Geburtstag von Marlene Dietrich. Und nicht nur deshalb: Deutschland? Nie wieder!
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Türkiyemspor Berlin zieht 1.Herren aus dem Spielbetrieb zurück

1978 aus einer Freitzeitmannschaft gegründet, schaffte es der der Verein aus Kreuzberg in den Achtzigern bis in die Oberliga Berlin. 1991 ist Türkiyem sogar knapp am Aufstieg in die zweite Liga gescheitert (im entscheidenden Spiel gegen TEBE 5:0 verloren…) und war mit Zuschauerzahlen bis zu 12000 und einigen gelungenen Auftritten im DFB Pokal auch überregional bekannter geworden. In den Neunzigern pendelten die Berliner zwischen der neugegründeten Regionalliga Nordost (1994) und der Berliner Verbandsliga. In der Saison 08/09 gemeinsam mit dem AFC wieder in der Regionalliga angekommen schaffte es Türkiyem am letzten Spieltag mit einem 1:0 Heimsieg gegen (irgendwie ziemlich zerfeiert wirkende) Altonaer Mannschaft den Klassenerhalt. Zum Ende der Saison 2010/11 mit zwei Pünktchen und null Siegen sind sie endgültig in der NOFV Oberliga angekommen. Am 23. 12. ergfolgte dann der Rückzug der 1. Herren aufgrund des Anfang Dezember eingeleiteten Insolvenzverfahren. Quelle: Homepage Türkiyemspor Berlin

PS. Wollte eigentlich noch die lange Liste rassistisch motivierter Vorfälle gegen Fans und Spieler von Türkiyem einbauen (besonders die erste RL Saison Nordost gibt wohl einiges her…) aber irgendwie hab`ich heute keine Lust mehr mich mit dieser Scheisse zu befassen.

LEATHERFACE- MUSH

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Zwanzig Jahre seit dem erscheinen dieser Platte! Scheiss zwanzig Jahre! Eigentlich sogar 20 Jahre und 7 Monate. Einer dieser Platten die keine Sekunde bei mir brauchte um zu reifen. Sofort da! Vor allem: Frankie Stubbs, Richie Hammond diese Gitarren und Alkohol. Die häufigste gelesene Umschreibung : Die perfekte Schnittmenge aus Motorhead und Husker Du . Geht schon klar irgendwie. Obwohl ehrlicherweise bei mir beide genannten Bands niemals gegen diesen Sound aus dem englischen Sunderland anstinken könnten ! Melancholie, Wut und sympathisches Verlieren in unglaubliche Hymnen und `nen musikalischen Mittelfinger umgesetzt: Take that Hüskers… !
Auf der Bühne entweder unschlagbar oder unglaublich scheisse.
Meist jedoch: Energie, Spielfreude, Fäuste hoch bis zum ausrenken, angenehmes Publikum mit dem Wahnsinn am richtigen Fleck, mitsingen, glückliche Gesichter und Abstürze. Die Art von Abstürzen mit diesen befreienden nächsten Morgen. Eigentlich gibt es keine mir bekannte schlechte Platte und hiermit sei ausdrücklich das komplette Werk empfohlen. Die Orginalbänder dieser Platte sind wohl verschollen. Von Herrn Frankie Stubbs persönlich den Flammen übergeben. Eine urbane Legende. Keine Ahnung – aber ne Geschichte die durchaus passen könnte…
Im Norden wieder im Februar 2012 und, ganz wichtig, in eher kleineren Läden unterwegs. Hingehen!

Der FC Bayern und seine Juden – Aufstieg und Zerschlagung einer liberalen Fussballkultur

Schon im Sommer gelesen, dieses zwischenzeitlich zum Fussballbuch des Jahres gewählte Werk von Dietrich Schulze-Marmeling. Spät dran? Egal – Diese Empfehlung muss noch raus!

Gewußt hatte ich es ja schon vorher. Der FC Bayern war anders! 1900 abgespalten von der zuvor vom (ebenfalls jüdischen) Fussballpionier Walther Bensemanns mitgegründeten Fusslümmelsparte des Münchner Männer Turn Vereins von 1879 . „Ein in Schwabing beheimateter Verein von Zugereisten, von Studenten, Künstlern oder Kaufleuten“(Schulze-Marmeling in einem kurzen Interview der Jüdischen Allgemeinen). Fussball als Ausdruck einer liberalen und kosmopolitischen Haltung. Eigentlich ja schwer vorstellbar und dann auch noch diese -Bayernschweine – so inbrünstig gehasst von so vielen (auch der Autor sang im Fanblock nahe der französischen Grenze gegen DIE DA OBEN mit dem ganzen Geld… endeten die Großmachtsphantasien meines FCS doch regelmäßig in Insolvenzverfahren). Doch Doch! Schwabinger Bohemeians wollten anders sein, british, modern, weg vom deutschtümelnden spießigen Turnen. Kurt Landauer war wohl die prägenste Figur dieser frühen Zeit, als jüdischer Kaufmann und als Vereinspräsident stand er für einen weltoffenen FC Bayern. Wie kein zweiter prägte er die Zwanziger und Dreißiger Jahre, stand für modernen Fussball, für Krankenversicherungen, für nachvollziehbare Verträge – für Profifussball und gegen die damals übliche Scheinheiligkeit der meist unter der Hand bezahlten „reinen Amateure“. Kurzum : Der FC Bayern, in der Zeit bis zum Ende der Weimarer Republik keineswegs ein Verein mit mehrheitlich jüdischen Mitgliedern, muss als mir äußerst sympathisch beschrieben werden. Etwaige Ressentiments jedenfalls sind aus den Beschreibungen von Dietrich Schulze-Marmeling nur schwer (oder sehr leicht und dann wirds richtig finster) herzuleiten. Recht gut zusammengefasst in der Einleitung dieses Buches steht dazu: „Die Bedeutung des FC Bayern bestand darin, dass er Juden in seinen Reihen nicht nur willkommen hieß, sondern ihnen auch keine geringeren Aufstiegs- und Profilierungsmöglichkeiten bot als ihren christlichen Klubkameraden. Das zählte nicht wenig, denn München war eine Stadt, die, gemeinsam mit dem Land Bayern, nach dem ersten Weltkrieg eine Vorreiterrolle bezüglich antisemitischer Maßnahmen praktizierte. (…) Dass dieser von einem urbayrischen Juden geführte Klub mit einer Mannschaft, die von einem österreichisch-ungarischen Juden trainiert wird, im Sommer 1932 die deutsche Meisterschaft gewinnen kann – zu einem Zeitpunkt also, als die Weimarer Republik bereits kollabiert und Deutschland nur noch ein gutes halbes Jahr von der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und dem unmittelbar folgenden Ausschluss der Juden aus dem deutschen Sport trennt-, setzt dem Ganzem gewissermaßen die Krone auf.“

Auf 236 Seiten beschreibt Dietrich Schulze-Marmeling die Protagonisten einer anderen, liberalen Fussballkultur. Erzählt von ihren Schicksal (vorhersehbar: nicht wenige endeten in den Konzentrationslagern der Deutschen) vom weiterbestehen der alten Nazi Seilschaften in der BRD und von kleinen Aufständen, etwa dem demonstrativen Grüßen des in die Schweiz geflüchteten Ex-Präsidenten Landauers bei einem Gastspiel in Zürich. Als Judenklub zur Nazizeit unbeliebt brauchte der FC Bayern bis in die Sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts um sich von der Zerschlagung dieser ehemals großen liberalen Fussballkultur zu erholen. Neuerdings scheint sich auch der Verein wieder mehr für seine Geschichte zu interessieren, wohl auch aufgrund des Engagements der Münchner Schickeria und des doch recht grossen Medienechos zu diesem Buch. Schon länger findet ein Kurt Landauer Gedenktunier der Schickeria München statt. Ultra geht definitiv viel schlimmer!

EA 80 Definitiv:Nein

Zuletzt war ich ein bisschen beleidigt. Dieses Gedränge vor`m Störte, zwei eher lahme Platten, das herablassende abkanzeln eines Freundes der es gewagt hatte nett nachzufragen ob den Filmaufnahmen beim Konzert okay wären (wer bitteschön fragt da heute noch nach!wer?). Ernste Zweifel an dieser kleinen Welt aus Verweigerung und limitierten 7 Inches im Selbstverlag- toll konsequent und soo widerspruchsarm dargeboten. Die ersten Töne der neuen Platte lassen mich zusammenzucken. Es muss an mir liegen. Kleinlaut erinnere ich mich. Lange vor Herrn Rachut und seinem herumwerkeln und anschreien und meckern und lamentieren und zerlegen und zerfahren und diesen ganzen Sägewerken waren da diese Gladbacher in meinem Haus. Besetzten den Platz für dieses Lebensgefühl. Schwarze Kleidung, meine Clique und Kassetten und Schallplatten voller Weltschmerz. Jahrelang fast alle Konzerte mitgenommen, tausende Kilometer abgerissen und nie bereut- auch wenn`s öfters an die Grenze ging. Diese Typen lieferten den Soundtrack für richtig schicke Abgründe und nicht alle davon waren aufgesetzt. Die Gitarren, die Stimme, alles wieder da. Treffsicher. Wut und Frust bei der großen Eröffnung mit „Fort von krank“ der übliche Wahnsinn dazwischen bis zum Finale im 14 Minuten Song „Die Suche“. Alle Klischees passen wieder und doch wird nichts wiederholt. Schön das!