MUSIC IS MY BOYFRIEND

PhotobucketMartin Büsser. Gestorben im September 2010. Mit 42 Jahren. An Krebs. So scheisse früh : Raus aus der Klinik und rüber in dieses Nichts. Weltgeist – Du bist und bleibst`n Arsch. Den Namen eingegeben: Anekdoten voller Respekt und Sympathie stolpern durch die Suchmaschienerie. Eine Zündfunk Hommage: ganze 60 Minuten im Bayrischen Rundfunk (!) und dieses Buch: Music is my boyfiend. Texte aus 20 Jahren. 250 Seiten, 40 Texte – Nur ein kleiner Überblick über die Lücke die mit dem Tod von Martin Büsser gerissen wurde. Veröffentlicht im von ihm mitgegründeten Ventil Verlag aus Mainz. Unglaublich diese Bandbreite: Interesse für Musik, eher Interesse an Popkultur, noch besser: Interesse für die Ränder, die Aussenseiter, für Menschen mit diesem Speziellen was wohl Haltung genannt wird. (von Sonic Youth bis zu Daniel Johnston, gegen Macho HC und mit Partei für die androgynen weichen Emos, von Stockhausen zurück zu Motown) Und ganz nebenbei: kritische Theorie. Gesellschaftskritik. Geschichte. Diskurse. Kunstgeschichte. Beziehungen. Zitate. Parallen. Vergleiche. Künstlerische Antworten auf gesellschaftliche Umstände. Die Suche nach dem emanzipatorischen. Queere Ansätze statt Machogedudel. Immer dabei: Angriff. Nett formuliert und nicht etwa persönlich. Trotzdem: Angriff mit Stil und Kritik die raus musste. Nicht verschroben oder verworren sondern klar und nachvollziehbar und ohne Rücksicht auf diese Anzeigenkundenspielchen (köstlich etwa sein Xavier Naidoo Verriss in der Intro und die Reaktionen dazu…). Haltung, ganz nebenbei mitgeliefert und nicht einmal als interlektuelle Scheisse verunglimpfbar, denn diese Scheisse war auch noch nachvollziehbar und gut zu lesen. Echt mal genervt hat er auch mich damit bei unserem ersten „Treffen“ im ZAP (ich als kleiner Leser angekommen in der neuen tollen linken Welt des Punk und HCs – Schließlich mochte ich doch Hardcore weil er so anders schien…) Doch NIXDA: Vom ZAP bis zur Testcard Reihe und genauso in der von mir sehr geschätzten KONKRET: Scheisse wurde als solche benannt und fertig ! Ansonsten blieb Herr Büsser auf der Suche nach dem Andern, diesem Fünkchen Guten jenseits der Illusionen und urbanen Legenden und der immer gleichen Scheisse in neuen Verpackungen… und wurde glühender Fan von ANTIFOLK- der Outsider Nische aus New York.

Zurück zum www: Selbst in den Nachrufen: Haltung und Beschäftigung mit diesem Menschen und seinen Texten jenseits der Copy und Paste Üblichkeit. Mit Liebe geschriebene Nachrufe auf einen linken Journalisten… Gar nicht peinlich und ohne Pathos. (HI HI wie passend: gemeinsam mit `nem Jungen aus Mönchengladbach spielte er auch in der nie probenden Band PECHSAFTHA…) Beim Lesen der Texte aus Music is my boyfriend bemerke ich erneut die vielen Einflüsse, Hinweise und Gedankengänge die von Martin Büsser auch auf mich übergesprungen sind und wie wirklich selten gut dieser Schreibstil war, den ich auf wärmste empfehlen möchte !