ARMINIA HANNOVER

„Auferstanden aus Reformen…“
(Gastbeitrag vom BTH JENS! Der Affe sagt: Donke! Donke!)

„…und der Zukunft zugewandt…“ so wird es des Öfteren von den Anhängern des SV Arminia Hannover gesungen. Es steckt viel Wahrheit in diesen Zeilen.
Aber blicken wir zurück: In der Saison 2006/07 stieg man sportlich aus der Oberliga Nord ab, wobei einem vom Verband eh die Lizenz verweigert worden war. Dieser Fakt ist wichtig zu erwähnen, denn nach dem Lizenzentzug vom VfR Neumünster und dem Zwangsabstieg von Holstein Kiel II (die Erste stieg sportlich aus der Regionalliga ab), wäre der SVA eigentlich erster Nachrücker gewesen. Profitieren konnte davon nun der SV Henstedt-Rhen. Dies war bislang auch die letzte Saison wo der SVA u.a. Altona 93 als Ligakonkurrent hatte.
Neben dem Abstieg in die Fünftklassigkeit folgte noch der finanzielle Tiefpunkt, welcher mit einem Insolvenzantrag endete. Die Eröffnung des Insolvenzverfahrens konnte noch in der Sommerpause abgewendet werden, doch stand man vor einem Scherbenhaufen. Etliche Spieler weg, Trainer weg und natürlich immer noch kein Geld in den Kassen.
Bereits 2 Jahre später folgte mit dem Abstieg in die Sechstklassigkeit der bis dato sportliche Tiefpunkt. Am Ende der Saison 2008/09 fehlten letztendlich nur 2 Punkte zum Klassenerhalt. Nach einer verkorksten Hinserie, schmiss Trainer Krajewski hin. Auf ihn folgte mit Stefan G. eine bis heute noch sehr umstrittene Person. Selten war die Kluft zwischen Genie und Wahnsinn so gering, wie in der Schizophrenie dieser Familie G. Sportlich gelang eine halbe Aufholjagd. Schaffte man es doch tatsächlich die letzten 6 Auswärtsspiele alle zu gewinnen! Im Gegenzug verlor man die letzten 6 Heimspiele am Bischofsholer Damm.
Was folgte war eine großartige sportliche Saison in der Bezirksoberliga Hannover, welche man nach Belieben dominierte. Am Ende standen der Meistertitel und 102 erzielte Tore! Durch die Zusammenlegung der beiden Oberligen Niedersachsen galt es noch die Aufstiegsrunde zu überstehen. Nach einem wichtigen 1:0 Auftaktsieg im Heimspiel gegen den FC Schüttorf 09, folgte unter der Woche eine ernüchternde 0:2 Pleite in Stade beim dortigen Güldenstern.
Im letzten Spiel musste vor heimischem Publikum der Favorit aus der Oberliga und Nachbar SC Langenhagen besiegt werden. Mit einer der besten kämpferischen Leistungen gelang tatsächlich mit dem 2:1 der sofortige Wiederaufstieg in die Oberliga. Das entscheidende Tor erzielte dabei der Ex-Armine Igor Lazic per sehr unglücklichem Eigentor. Was nach Abpfiff folgte war ein beinahe endloser Feiermarathon, der irgendwann nach Sonnenaufgang im Steintorviertel zu Hannover endete. Nach Jahren sportlicher und finanzieller Talfahrt war nun endlich ein Lichtblick zu sehen.
Auch das Vorstandstheater im Winter 2009 war nur noch in kleineren Wehen zu vermerken. Man muss sich mal vorstellen, dass da ein Verein ist, der seit Jahren endlich mal wieder auf halbwegs gesunden finanziellen Beinen steht und darüber hinaus der sportliche Erfolg auch zurückkam. Wie kann man also so einen Verein anders negativ in die Presse bringen? So war zumindest das Gefühl bei den meisten Fans. Einer der Höhepunkte war die außerordentliche Mitgliederversammlung Ende 2009, welche nach Stunden mit viel Anschuldigungen und lautem Geschrei endete. Danach folgte eine mehr oder weniger öffentliche Schlammschlacht zwischen Mitgliedern des ehemaligen und aktuellen Vorstands, sowie Personen aus dem Umfeld von Trainer und Mannschaft. Wie in einer schlechten Soap waren die Auslöser u.a. Machtbesessenheit und gekränkte Eitelkeit. Dabei fuhren einige Herrschaften so dermaßen den Ego Zug, dass dabei auch das Image des Vereins zu Schaden kam. Letztendlich kann man froh sein, dass es nicht zu weiteren Folgeschäden gekommen ist und das Theater sich nach Monaten auch beruhigte.
So konnte dann auch der erste Aufstieg seit 1997 (nach zwischendrin 3 Abstiegen) gebührend gefeiert werden.
Darüber hinaus wurde seit der Insolvenz auch vernünftig gewirtschaftet. Jedoch konnte keiner ahnen, dass uns dies noch zum Verhängnis werden sollte. Denn nach dem letzten Saisonspiel der Oberliga Niedersachsen befand man sich ganz knapp unterm Strich. Platz 15 von 20 Mannschaften reichte nicht zum sportlichen Klassenerhalt. Dafür schaffte man einen Rekord, der auf unbestimmte Zeit Bestand haben wird, denn gewann man in der Saison 2x beim Meister SV Meppen. Gab es zum Ligastart noch einen etwas überraschenden 2:1 Auswärtssieg, reiste der SVA zum letzten Spieltag erneut ins Emsland und fertigte den bereits feststehenden Meister und Aufsteiger in die Regionalliga mit 5:2 ab. Der SVA verzichtete zu Gunsten der Feierlichkeiten in Meppen auf sein Heimrecht. Wirtschaftlich war die Lizenzerteilung im ersten Anlauf ohne größere Schwierigkeiten geglückt, denn wie bereits angesprochen, wirtschaftete man nur noch im Rahmen seiner Möglichkeiten anstatt mit aller (finanzieller) Gewalt den Oberligaspielbetrieb zu sichern.
Ganz anders die Kickers aus Emden, denen die Lizenz vom NFV-Kontrollgremium verweigert worden war. Verbindlichkeiten von über 300.000 € standen im Raum, die z.T. noch aus der 3.Liga Zeit des Vereins stammten. Jedem Normaldenkenden sollte klar sein, dass es in einer laufenden Oberligasaison fast unmöglich erscheint einen so gewaltigen Schuldenberg abzubauen und nebenbei noch den Spielbetrieb zu sichern. Das DFB-Pokal Los á la FSV Frankfurt verhieß auch kein Kassenschlager zu werden.
In dieser wilden Zeit machten sich so einige Arminen berechtigte Hoffnungen als erster Nachrücker Verein in der Oberliga zu verbleiben.
Erst wenige Stunden vor Ablauf der Frist legte Kickers Emden Einspruch gegen das Urteil ein, ohne jedoch zahlungsfähige Sponsoren oder andere Geldgeber aufgetrieben zu haben.
Zum Erstaunen vieler Nichtmathematiker erteilte das NFV-Präsidium den Kickers im Nachhinein die Lizenz. Anscheinend ist der Schuldenberg seinerzeit kurzfristig aus den Unterlagen herausgerechnet worden.
Mit viel Frust war der wirtschaftlich gesundere SV Arminia Hannover zur erneuten Sechstklassigkeit verdammt. Diese Saison ist weitaus schwerer als noch vor 2 Jahren. Insgesamt kann man von mindestens 5 gleichwertig starken Mannschaften ausgehen, die um den direkten Aufstieg in die Oberliga Niedersachsen kämpfen.
Nach einigen unnötigen Punktverlusten steht der SVA im Winter auf Platz 4. Leider sind es derweil schon 5 Punkte zur Tabellenspitze, wobei Tabellenführer der NFV-Haus- und-Hof-Verein 1.FC Germania Egestorf-Langreder (in unmittelbarer Nähe zum NFV Sitz in Barsinghausen) auch 2 Spiele weniger absolviert hat.
Zur Vervollständigung muss ich die Situation in der Oberliga Niedersachen zum jetzigen Zeitpunkt noch betrachten. Der durch die NFV-Oberen für gesund erklärte Verein Kickers Emden gibt langsam aber sicher seine Vitalfunktionen auf. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens ist bereits im Dezember 2011 beantragt worden und der tatsächliche Schuldenstand soll sich auf 2,8 Millionen Euro belaufen. Nach der ersten Einschätzung des vorläufigen Insolvenzverwalters sei der Verein bereits seit 2009 (!) zahlungsunfähig.
Am 1.Februar 2012 wurde das Insolvenzverfahren beim Amtsgericht in Aurich eröffnet.
Darüber hinaus hat nun auch der SV Eintracht Nordhorn die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Allein dadurch steht die Liga vor dem Problem, dass bei eigentlich nur einem sportlichen Absteiger diese Saison, bereits heute so gut wie 2 Vereine nächste Saison nicht mehr dabei sein werden. Weitere Vereine könnten folgen. Aktuell halten sich Gerüchte um die Vereine VSK Osterholz-Scharmbeck und TuS Heeslingen. Da fragt man sich doch ernsthaft nach den Voraussetzungen die zu einer Lizenzerteilung führen.
Der eigentliche Verlierer dieser Farce ist der SV Arminia. Nicht nur, dass man den Kickers aus Emden die Lizenz „schenkte“, sondern dass der Antrag auf Erweiterung der Oberliga auf 19 Vereinen abgelehnt worden ist. Einer vergleichbaren Situation sah sich der TSV Havelse aus der Regionalliga vor der laufenden Saison gegenüber. Sportlich abgestiegen, erhielten die Garbsener nach Lizenzverweigerung für TuS Koblenz, die Nachricht als Nachrücker doch noch in der RL zu verbleiben. Auch den Koblenzern wurde die Lizenz noch erteilt und der SC Verl sollte nun in die Nordstaffel rutschen, was der Verein aber vehement ablehnte. Ende vom Lied war, dass der SC Verl im Westen verblieb und die Staffel nun 19 Vereine hat. Der TSV Havelse durfte dafür im Norden weiterspielen und bekam so noch 2 weitere Jahre Regionalliga vom DFB geschenkt, da es ja keinen sportlichen Absteiger geben wird.
Trotz all der Reformen und der Lizenzverlosung steht man bei Arminia Hannover auf gesunden Beinen und blickt aufrecht in die Zukunft. Das beweisen auch die Bauarbeiten in Bischofshol, welche die örtliche Infrastruktur der schönsten Landesligaspielstätte nach und nach verbessern sollen.

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