VFL OSNABRÜCK – 1.FC SAARBRÜCKEN

Fahrten mit diesem Metronom nach Bremen sind richtige Abenteuer. Die weltweit strengsten Zugbegleiterinnen schieben dort Dienst. Kein Bier bleibt verborgen, keine falsche Namensangabe unentdeckt (remenber: „Herr Büffel, sie heißen ja gar nicht Büffel“).

Aus Respekt sitzen alle in Fahrtrichtung und verhalten sich still.

Trotzdem wurde es knapp: ein Niedersachsenticket für zwei Personen und das obwohl ich offensichtlich alleine reiste. Ganz allein mit nem Ticket für zwei! Lautstark vorgetragene Allgemeine Beförderungsbedingungen unterbrachen mein heiteres Lachen. Fahrten mit Tickets für mehrere Personen müssen auch mit mehreren Personen angetreten werden (wenngleich auch nicht gemeinsam beendet, aber angetreten muss vollzählig werden!). Mein lachen ebbte ab und wich wohl einem mehr so entgeisterten Gesichtsausdruck. Nein, sie würde von einer Anzeige ja absehen… Ufff ! Jetzt war ich ganz schön erleichtert. Mein Hirn bereitete Sätze voller Verachtung, feinster Ironie, evtl. sogar Sarkasmus vor. Auch an schlüssige Argumente wurde kurz gedacht. Diesen Diskurs sollte ich gewinnen, ich durfte nur meiner latent aufkommenden Aggression keinerlei physische Entladung erlauben… Es gibt ja sowieso viel zu viele, trotzdem versuchte ich die blaugelbe Macht irgendwie über die Hirnrissigkeit ihrer Argumentationsstränge in Kenntnis zu setzen. Pustekuchen, denn jetzt wurde ernsthaft mit „gesunden Menschenverstand“ gekonntert. Diesen Beförderungsbedingungen schien etwas sinnstiftendes, feierliches inne zu wohnen, sie waren der persönliche innere Reichsparteitag (wie diese Deutschen immer so gerne sagen, ne). Wohl wichtig wenn mensch wie auf der Kirmes tagein tagaus Karten kontrollieren und abstempeln muss: „Es gäbe da nämlich so Gestalten, die verdienten Geld mit Ländertickets durch Mitnahme verschiedenster anderer Gestalten! Uuuhnd: Dies sei ein Straftatbestand!“ Immerhin lachten jetzt noch zwei, drei andere Mitreisende. Dann Pause. Irgendwas in mir beschloss die Fresse zu halten, gewisse Arten von Blödheit sind halt nur schwer zu toppen. Die blaugelbe Macht zog gewissenhaft weiter. Schade dass ich kein Bier mit hatte… Vom Bahnsteig aus hab`ich dem Fels in der Brandung der unerlaubten Beförderung mit nem netten Zwinkern ihrem Schicksal überlassen. Ich durfte ja schließlich raus aus diesem Zug!

Kurzer Zwischenstopp in Bremen, wo gefühlt die Hälfte aller Leutchen ihr Werder Merchandise mit frischer Luft beglückte. Wichtig zu erwähnen: THE GOLDEN SHOP (linke Buchhandlung und ne kleine, feine Vinyletage) sowie den unsagbar liebenswerten und bestens sortierten Plattenladen ÜBERSCHALL (beide im Steintorviertel).
Weiter mit der Deutschen Bahn, Bier und endlich auch mit der gesetzlich vorgeschriebenen Anzahl Mitreisendender wurde dann angetrunken und ohne Beanstandungen der lokalen Macht über die allgemeinen Beförderungsbedingungen Osnabrück erreicht. Die Bremer Brücke:

„Es ist ein Patchwork Stadion im Miniformat, mit einer alten Haupttribühne und einer modernen Gegengraden. Die überdachten Stehplatzkurven haben den Charme der 1980er Jahre, der Komfort hält sich in Grenzen, das Fassungsvermögen auch“

Danke Grosses Buch der Deutschen Fussballstadien vom Verlag die Werkstatt!

250-300 Gestalten befüllten den Gästeblock. Boys, die nette Ultragruppierung versuchte die Sache in den Griff zu bekommen und meine Altonaer Begleitung musste sich, am Eingang dezent abgefangen, erstmal erklären. War wohl schon vom weiten als Nichtsaarländer (lag`s am aufrechten Gang?) zu erkennen. Freund Carlos besorgte den Leumund und Alkohol. Der Durchleuchtete vermutete antifaschistisches Engagement und fands nicht aggressiv und somit noch okay. Naja! Sie wirken schon recht sympathisch, die Boys, aber des lieben Fanfriedens willen scheint es mit offensiveren antifaschistischen Tatendrang nicht soweit her zu sein. Mindestens eine Hackfresse (und nur eine wäre wirklich unglaublich wenig für SB) stand lange direkt neben ihnen und schien auch sonst nicht isoliert und vereinsamt zu sein, oder sich gar unwohl zu fühlen. Ich würde mir da mehr als nur sein Ding durchziehen und nix damit zu tun haben wollen wünschen. Bin aber ob der schieren Existenz einer großen Zahl klar nicht rechter FCS Fans erstmal weiterhin eher positiv überrascht.
Mit Fussball brauchte Saarbrücken uns dann auch gar nicht erst gross zu kommen. Sang und klanglos ( wenigstens in HZ 1 noch in ansehnlicher Art) mit 2:0 verloren. Das restliche Stadion war schön und laut am feiern (8500 Leute können sogar richtig imposant aussehen) und schien bereits in der nächsten Woche beim Auswärtsspiel in Münster angekommen. Scheiss drauf! Stunden zuvor aus den Fängen des Metronom Personal entkommen, konnten auch die wie immer dummdreisten Bullen uns nur noch kurz davon abhalten (falsche Gaderobe) mit den netten VFL Supportern und blau schwarzen Merchandise den Affenfelsen Aftermatch Bierwagen zu bevölkern. Selbstredend ohne dumme Anmache von Osnabrücker Seite. Dafür Donke Donke nach Osnabrück, zum Felsen der Affen.


1 Antwort auf „VFL OSNABRÜCK – 1.FC SAARBRÜCKEN“


  1. 1 Archibald Haddock 08. März 2012 um 14:20 Uhr

    Haha! Weltklasse, diese Metronomschaffnerinnen! Einfach Köstlich!

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